Sonntag, 30. März 2014

Weißes Intermezzo

Als man mir vom "verrückten März" in Armenien erzählt hat, dachte ich nichts böses dabei.
Heute morgen sah es dann so aus vor unserer Haustür…



Verrückt, was?

Dienstag, 11. März 2014

Khor Virap

Ein sehr schönes und bedeutendes Kloster, irgendwo in der Mitte des Nirgendwo in Armenien ist Khor Virap. Bedeutend sind diese Mauern, weil hier Gregor der Erleuchter für 13 Jahre in einem Loch gefangen gehalten wurde. Jahre später wurde über diesem Loch das Kloster errichtet.





Das ist das Erdloch, in dem Gregor gefangen war. Hier der Blick von unten nach oben.



Des Freiwilligen Dienstes zweiter Teil

Nun sind es beinahe sechs Monate, die ich in Armenien verweilt habe. Das heißt, die Hälfte meines EVS ist fast um. Was nicht heißt, dass ich mich hier häuslich eingerichtet, es mir gemütlich gemacht habe und einem geregelten Tagesablauf nachgehe.

Im Gegenteil. Seit meinem letzten Eintrag hat sich einiges verändert. Ob zum Guten oder Schlechten kann ich noch nicht mal sagen. Es hat sich was verändert. Sagen wir es mal so. 

Der Reihe nach:

Ich wohne und arbeite nun in Yerevan. 
Wie es dazu kam ist eine etwas kompliziertere Geschichte und ich versuche das mal in Kurzform hier aufzulisten.

Ich sollte in Gyumri eine eigene Wohnung bekommen. Meine Koordinatorin hatte eine wirklich schöne Immobilie gefunden; drei Zimmer, neues Bad, große Küche, eigener Garten plus Hollywoodschaukel und ein Klavier. Ich war hin und weg als ich die Räume betrat.
Wir machten gemeinsam mit dem Besitzer einen Termin für meinen Einzug klar und ich habe meiner Gastfamilie davon erzählt und auch gleich meinen Auszugstermin mit bekannt gegeben. Wie es sich in Armenien gehört war der nur zwei Tage später.

Nun hatten meine Gastfamilie und ich aber irgendwie ein kleines Problem, welches wir zwar nach langem Hin und Her lösen konnten, die Stimmung aber etwas frostiger gestaltete. Nichts wirklich Schlimmes und wir konnten das Problem auch nach einiger Zeit lösen, aber dennoch…

Am Vorabend meines Auszuges rief mich meine Koordinatorin dann an und erzählte mir, dass ich nicht am nächsten Tag umziehen könnte, da etwas mit den Wasserrohren nicht in Ordnung sei. Ok, bei -25 Grad kann man sich denken, was da nicht in Ordnung gewesen ist. Da nun aber die Stimmung mit der Familie nicht unbedingt die Beste war, musste ich ausziehen. Nur wohin?
Für ein Wochenende bin ich bei einem befreundeten Freiwilligen aus Amerika untergekommen. Meine Koordinatorin meinte nämlich, bin Sonntag sei die Wohnung bezugsbereit. Ok! Klingt doch gut.
Samstag Abend rief ich dann meine Koordinatorin noch einmal an um die Lage zu checken. Der Check  verlief nicht wie gehofft, denn die Wasserrohre waren immer noch gefroren. Also ein Problem. Die Lösung war für eine Woche, dass ich nach Yerevan in die Wohnung meiner Hostorganisation gezogen bin, mit der Hoffnung schwanger, dass ich in zwei Wochen in die Wohnung einziehen könne. Warum zwei Wochen? Eine Woche in Yerevan und danach war eine Wochen Mid Term Meeting in Gyumri angesagt, für das ich eine Unterkunft hat.

Exkurs: Mid Term Meeting

Wer sich erinnert, oder einfach in dem Blog zurückgeht, bis November, hat bestimmt noch das On-Arrival-Training im Kopf. Also das erste Treffen mit Freiwilligen, bei dem wir alle etwas über die Kaukasusregion an sich, die Menschen und Mentalitäten und wie wir am Besten Projekte gestalten, gelernt haben. Also eine Einführungsveranstaltung in den EVS generell.
Mid Term Meeting ist nun das Treffen zur Halbzeit. Wir sprachen über unsere soweit gemachten Erfahrungen, unsere Projekte und die Zukunft. (Letzteres hat mich ein bisschen überfordert.)

So…das Mid Term Meeting in Gyumri neigte sich dem Ende zu und ich rief meine Koordinatorin erneut an um mich nach dem Status der Wohnung zu erkundigen. 
Die Heizung war nun defekt, die Besitzer müssen eine neue Anlage besorgen, niemand weiß, wie lange das dauert und meine Koordinatorin sucht nach einer neuen Wohnung für mich. Das war die Quintessenz des Telefonats. 

Irgendwie war mir das in diesem Moment ein bisschen zu viel.
Ich war unzufrieden mit der ganzen Situation und nichts lief, wie es laufen sollte. 

Was ist nun das Ergebnis der letzten zwei drei Wochen?
Meine Koordinatorin und ich haben uns darauf geeinigt, das Projekt in Gyumri zu stoppen, da keine Wohnung da ist. Ich bin jetzt in Yerevan auf der Suche nach einer eigenen Wohnung und habe nun neue Projekte. 

Im Büro meiner Gastorganisation geben die Freiwilligen regelmäßig Sprachstunden – meistens Englisch. Und im Moment auch Deutsch. Aber das Unterrichten von Sprachen mit allem Drum und Dran liegt mir nun gar nicht. Was mir aber eher zusagt ist Reden. Also haben wir nun die Sprachstunden in Grammatik und Konversation unterteilt. Ratet, was ich habe.
Nun habe ich die Woche einen Konversationsklub für Deutsch und vier für Englisch. Hinzu kommt noch einmal die Woche ein Culture Club. Und damit noch nicht genug: mit einer Freiwilligen werde ich vielleicht einen Geschichtsclub führen. Mal sehen.

Ich kann nun also sagen, dass der zweite Teil meines Jahres hier angebrochen ist.
Und um ehrlich zu sein bin ich auch nicht wirklich traurig darum.
Es war interessant in Gyumri und in einer armenischen Familie zu leben. Auch die Arbeit im Center war eine Erfahrung, die mich bereichert hat – und wenn es auch nur war, um zu sehen, wie in Armenien gearbeitet wird.

Ich bin gespannt, was die nächsten sechs Monate für mich bereit halten. 




Montag, 17. Februar 2014

Moving to the South

Seit meinem letzten Eintrag hat sich hier einiges getan. Die Stimmung steht auf Motivation und das Wetter in Armenien macht da auch mit. Es ist Frühling und sogar in Gyumri, wo immer noch Schnee liegt, kann man schon die ersten Frühblüher an jeder Ecke kaufen. Aber der Reihe nach.

Am 1. Februar hat uns Thomy verlassen. Er war hier für ein halbes Jahr Freiwilliger und sein Projekt war Februar zu Ende gegangen. Aus diesem Grund waren wir in Yerevan feiern. Es war schon recht merkwürdig, dass man Menschen gegenüber, die man erst vier Monate kennt, solche Gefühle wie Traurigkeit entgegenbringen kann, wenn sie einen verlassen. Das Feiern war schön, wie immer, aber als er dann das Taxi zum Flughafen genommen hat, war die Stimmung auf dem Tiefpunkt. Ich denke mal, dass es deswegen ist, weil wir hier alle im selben Boot sitzen. Ich meine, jeder hat seine Gründe warum er hier ist und das Meistern des Alltags in Armenien schweißt wohl doch ziemlich zusammen. Das "Freiwilligen Universum" ist eine eigenartige Welt. 

Nun ja…aber wie heißt es so schön, wenn eine Tür zugeht, sollte man einen Schlüssel haben um wieder rein zu kommen.

Thomy ist nun also weg, aber als "Ersatz" sind die Polen gekommen. Seit Februar haben wir neue Freiwillige, die auch in Gyumri leben und arbeiten. Also haben wir in Yerevan erstmal ein großes Essen mit allen Freiwilligen und den Damen aus unserer Hostorganisation veranstaltet. Man will sich ja kennen lernen, die ersten Erfahrungen und Gedanken austauschen und so weiter. 
In meinem Center bin ich nun auch nicht mehr alleine, sondern arbeite mit Magda zusammen. Sie hat ein wenig frischen Wind in meine Motivation gebracht, wenn man das so sagen kann. Gemeinsam veranstalten wir nun Englischstunden für die Mitarbeiter des Centers, wir werden in zwei Wochen eine Kochclub beginnen, ein Reiseclub ist auch in Planung und je nach dem, wie das alles läuft und wie es die Zeit zulässt, werden wir vielleicht auch einen Singclub ins Leben rufen. Armenier lieben es zu singen und zu tanzen. Vor allem Kinder und Jugendliche mögen es, sich über die Kunst Ausdruck zu verschaffen. 

Und die Aktivitäten nehmen kein Ende. Vor einer Wochen hatten wir eine Idee für ein Großprojekt. Natürlich ist noch nichts Spruchreif und so, aber die Motivation für das Projekt ist bei vielen sehr hoch. Kurz beschrieben: wir wollen mit allen Freiwilligen, also denen aus Yerevan und Gyumri, für eine Woche in Gyumri Workshops und Seminare für die lokale Jugend gestalten. Thema soll die Stadt und ihre Jugendlichen sein. Wie fühlen sie sich in ihrer Stadt, was verbinden sie mit ihr? Und das sollen sie möglichst künstlerisch umsetzten. Künstlerisch meint hier in Form von Tanz, Bilder, Photos, Videos, Gedichten und Kurzgeschichten. Wenn auch nur die Hälfte von dem klappen wird, was wir im Kopf haben, wird das ne tolle Sache. Und selbst, wenn das Projekt nicht zu Stande kommen sollte, aus welchen Gründen auch immer, habe ich für mich eine tolle Idee daraus behalten. 
Ich möchte mit eine paar Jugendlichen ein Geschichtsprojekt veranstalten. Genaueres ist noch nicht auf dem Papier, aber ich arbeite dran.

Seit gestern bin ich wieder in Yerevan und bleibe hier für eine Woche. Der Grund ist, dass ich letzten Freitag eigentlich in meine Wohnung hätte einziehen können, wegen vereisten Rohren war das aber nicht möglich. Dann hieß es erst, ich könne Sonntag einziehen, aber Samstag sagte man mir dann, dass die Rohre immer noch vereist wären und der Spezialist erst über die Woche kommen kann. Da ich meine Gastfamilie aber nun schon verlassen hatte und wir ein paar Unstimmigkeiten zum Ende hin hatten, war ich in eine ziemliche Zwickmühle geraten. Zurück gehen konnte ich nicht, weil die Stimmung, sagen wir mal, unterkühlt war und in Gyumri war keine Wohnung für mich da. Meine Koordinatorin meinte dann, ich solle für die eine Woche nach Yerevan ziehen. 
Aber auch hier habe ich eine Menge für die Woche. Neben dem updaten dieses Blogs will ich an meinen Ideen für die Workshops arbeiten und auch sonst wird sich einiges finden. Langweilig wird mir sicher nicht. Werde mal der deutschen Bibliothek im Goethe-Institut einen Besuch abstatten. 

Neben dem ganzen oben genannten waren wir aber auch für zwei Tage im Lande unterwegs. Soooo viel von Armenien habe ich ja noch nicht gesehen. Also haben wir uns entschlossen mal für zwei Tage in den Süden des Landes zu fahren. Eine Gegend, die ich auf jeden Fall noch nicht gesehen habe. Samstag früh ging es dann um 8 Uhr los. Und die Stadt war wunderschön. Es war frisch-kalt und die der Sonnenaufgang war einfach perfekt.



Sisian

Mit der Marshurtka ging es dann nach Sisian. Vier Stunden in einem Minibus ist wirklich nicht gemütlich, aber ich habe die Hälfte der Zeit geschlafen. Ist ein Reflex. Kaum setzt sich das Gefährt in Bewegung fallen mir die Augen zu. Aber als wir in Sisian ankamen, wurden wir von einer atemberaubenden Landschaft empfangen. Um die Stadt herum war ein Gürtel aus schneebedeckten Bergen, wie weiße Riesen. 




Die Stadt an sich war eher klein, man kann schon sagen, nichts besonderes, aber sie war eben neu für uns und das hat es spannend gemacht. Erstmal haben wir uns eine Bleibe gesucht und einen Plan gemacht, was wir nun alles sehen wollen. Das Hotel war günstig und gut und der Plan sah vor, dass wir erstmal den Wasserfall aufsuchen, der in nicht all zu weiter Entfernung der Stadt sein sollte. Geplant getan, machten wir uns also auf die Socken. Natürlich haben wir ne Menge Bilder von der Stadt und der Landschaft gemacht. 






Die nicht all zu weite Entfernung entpuppte sich dann aber doch zu einem anderthalbstündigen Fußmarsch. Das war in der Sache nicht schlimm, aber jeder Armenier, den wir nach Richtung und Entfernung gefragt haben, hatte uns versichert, es seien nur noch 10 Minuten, maximal zwei Kilometer. 
Aber der Marsch hat sich gelohnt, halb vereist, mit einem Regenbogen geschmückt haben wir dann den Wasserfall inzwischen kleiner Berge gefunden. 



Auf dem Weg zum Wasserfall sind wir zwei Armeniern begegnet, die sich das Naturschauspiel auch ansehen wollten. Als wir uns dann gemeinsam auf den Rückweg machten, hat uns einer der beiden gefragt, was wir uns denn noch so alles ansehen wollen. In der "Nähe" sollte es das Armenische Stonehenge geben, was wir uns ansehen wollte. Arthur, einer der beiden, hat uns fünf prompt in sein Auto verfrachtet und uns hin gefahren. "In der Nähe" war dann auch ne halbe Stunde fahrt mit dem Auto. 

Steine…viele Steine. Viele alte Steine. Aber imposant war es alle mal.



Arthur hat uns dann noch zu einem verlassenen Kloster gefahren, was gar nicht auf dem Plan stand. Aber das war nicht schlimm, denn eine verlassenes Kloster mitten im Nirgendwo war die Fahrt auf jeden Fall wert.





Nach dem er uns zu guter Letzt dann noch zu einem guten Restaurant gefahren hat und unsere Einladung, zum Essen zu bleiben ausgeschlagen hatte, waren wir mächtig beeindruckt von der Armenischen Gastfreundlichkeit, von der Bereitschaft, Fremden das Land zu zeigen und nichts, rein gar nichts dafür haben zu wollen. 

Nach dem Essen sind wir dann in die einzige Bar am Platz gegangen. Den Abend ausklingen lassen.
Folgendes: wenn man als einziger Mann mit vier Frauen eine armenische Bar betritt, in der sich natürlich nur Männer aufhalten, weil Frauen nicht ausgehen, dann kann man sicher sein, dass das Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit der Tisch ist, an den man sich setzt. 
An dem Abend hatten wir auch zum ersten Mal ein "Problem" mit einem armenischen Mann. Wahrscheinlich dachte er, er könne sich eine der Damen ausleihen und wurde dann doch etwas physisch. Nicht gewalttätig oder so, aber es hat gereicht. Die Krönung des Abends war dann, dass uns ein weißer Minivan bis zum Hotel gefolgt war und dann tatsächlich zwei der Herren ins Hotel kamen und den Damen wohl einen Besuch abstatten wollten. Die Frau an der Rezeption hat sie aber zum Gehen aufgefordert, die Tür verschlossen und alles war wieder in bester Ordnung, auch wenn ich für die nächste Stunde immer noch ein mulmiges Gefühl im Magen hatte.

Goris und Tatev

Sonntag Morgen sind wir zeitig aus den Federn und haben die 9:30 Marshurtka nach Goris genommen. Alle waren ein bisschen überrascht, dass so viele Menschen auf einmal in dem Bus sitzen. Kein Wunder wenn fünf fremde die Plätze belegen. Mit 22 Mann in einem Bus, der für 18 ausgelegt ist, sind wir dann eine Stunde durch die Landschaft gekurft. In Goris angekommen, haben wir erstmal Kaffee und Frühstück gesucht und gefunden.



Dann habe wir mit einem Taxifahrer gesprochen, wie wir am besten zum Kloster nach Tatev kommen, denn das stand als erstes auf unserer Liste. Zum Glück hatten wir zwei Mädels dabei, die zusammen genommen ein fast vollständiges Russisch sprechen konnten. 
Der Taxifahrer wurde dann für den halben Tag unser Chauffeur. Wir haben einen guten Preis ausgehandelt.

Als erstes ging es zu den "Wings of Tatev". 
Das ist eine Gondelbahn, die einen zu dem Kloster bringt. Der zweite Weg, mit dem Auto, war vereist. War aber nicht schlimm, denn wir wollten eh mit der Gondel fahren. Naja…etwas mehr als fünf Kilometer lang und 320 Meter über dem Erdboden an der höchsten Stelle…wirklich ne tolle Idee. So abenteuerlich das auch war, ein paar Mal war es schon schön, die Augen einfach zu zu machen.




Tatev an sich, das Kloster, war mächtig beeindruckend. Direkt am Abgrund gebaut bot sich uns ein wahnsinniger und ein wenig furchteinflößender Anblick der Natur. 



Das Kloster war das bisher größte Kloster, was ich besucht habe. Wir sind bestimmt eine Stunde in der Anlage rumgelaufen und haben uns alles angesehen, was es zu sehen gab.













Der Taxifahrer hatte auf uns gewartet und wollte uns eigentlich wieder zurück nach Goris bringen. 
Aber er zeigte uns noch ein bisschen mehr von seiner Region. 
Eine kleine Aussichtsplattform, extra für die Touristen angefertigt, damit die Landschaftsbilder auch besonders vorzeigefähig werden…



 die "Devils Bridge"…



 und heilende Quellen. Haben wir natürlich einen kräftigen Schluck von genommen. Man weiß ja nie.


Ok…aus dem Becken haben wir nicht getrunken, das ist nur fürs Baden im Sommer. Soll auch heilen.

Wie ihr lest und seht, war es ereignisreich in den letzten Wochen und ich bin frohen Mutes und hoch motiviert, dass alles, was mir jetzt gerade so im Kopf rum geht auch verwirklicht werden kann.

Sonntag, 26. Januar 2014

Armenisch feiern

Heute war ein recht eigenartiger Tag. Ein Tag der gemischten Gefühle und ein Tag der Festivitäten.

Vor zwei Tagen ist die Großmutter meiner Gastfamilie verstorben und heute war die Abschiedsfeier. Die Beerdigung ist gestern gewesen, da war ich aber nicht da. Wie der Zufall und ein nicht so gut getimtes Schicksal so wollten ist heute auch der Geburtstag meiner Gastmutter Silva gewesen. Wie gesagt…ein schlechtes Timing. 

So traurig der Anlass auch ist, so interessant war es aber auch, den armenischen Traditionen beizuwohnen.

Heute um 11 Uhr sind wir in die Wohnung in der Verstorbenen gefahren, wo schon eine Menge Leute da waren um ihre Aufwartung zu machen. Es gab Kaffee und Kuchen und es wurde viel geredete, ab und an wurde auch mal Scherz gemacht. Die Stimmung war im Allgemeinen aber eher ruhig, wie ihr euch sicher denken könnt. Nach anderthalb Stunden sind wir dann alle auf den Friedhof gefahren. Die Männer haben der Verstorbenen zu Ehren Vodka auf das Grab geschüttet, während die Frauen eine Art Weihrauchpulver in einen Topf geworfen haben, der den typischen Geruch von Weihrauch verströmte. Natürlich war mir klar, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass die Familie mich an diesem traurigen Ereignis teilhaben lässt und deswegen habe ich mich auch dezent im Hintergrund gehalten. Am Ende wurde mir dann aber doch zu verstehen gegeben, ich solle doch auch den Vodka auf das Grab träufeln. Es war schon ein komisches Gefühl den hinterbliebenen Söhnen zu kondolieren ohne auch nur eine Ahnung zu haben, was man sagen soll. Aber wir haben uns verstanden. 

Nach dem Besuch auf dem Friedhof ging es zurück in die Wohnung, wo der Leichenschmaus bereits aufgetischt war. Vor dem Haus standen die daheimgebliebenen Kinder mit Wassereimern und jeder, der das Haus betrat, wusch sich vorher die Hände. Der Tisch war reichlich gedeckt und das Wohnzimmer war viel zu klein für alle, so dass die Gesellschaft sich auf zwei Zimmer aufteilen musste. Es gab viel Fleisch, Brot, Käse und Kräuter. Und in regelmäßigen Abständen ist einer der  Gäste aufgestanden und hat einen Toast auf die Verstorbene ausgesprochen, den Hinterbliebenen sein Mitgefühl ausgedrückt und, soweit ich es verstanden habe, wurden immer ein paar Worte zum Leben und zum Tod im allgemeinen gesagt. Es wurde dann mit Vodka angestossen und das interessante war, dass nicht mit den Gläsern, sondern mit den Fingern angestoßen wurde. Man wollte die Stille bewahren.

Nach zweieinhalb Stunden sind wir dann aufgebrochen und zum Haus meiner Gastfamilie gefahren um die Geburtstagstafel vorzubereiten. Man hat es der gesamten Familie angemerkt, dass ihr nicht zum feiern zu mute war, aber man wollte natürlich auch über den Tod der Großmutter nicht den Geburtstag der Mutter vernachlässigen. Wieder wurde reichlich aufgetafelt und an nichts gespart. Die Runde der Feiernden war aber allerdings bedeutend kleiner als zum Leichenschmaus. Und dieses mal wurde auf die Mutter natürlich klirrend angestoßen. Das war der große Unterschied. 

Armenier feiern also mit viel Essen, Trinken und viel Aufwand. Den Gästen soll es nichts mangeln.

Auch wenn ich natürlich nicht viel von den gesprochenen Worten verstanden habe, die wichtigsten Sachen haben ich mitbekommen und ich bin sehr dankbar, dass mich die Familie an diesen Ereignissen, auch wenn sie noch so traurig sind, teilhaben lässt. Es war eine Selbstverständlichkeit für sie, dass ich mit zum Leichenschmaus komme. 

Das war ein sehr berührender Tag für mich. 

Dienstag, 14. Januar 2014

Wer hätte das gedacht?

Der menschliche Körper verfügt über exakt die Anzahl an Knochen, um daraus eine original getreue Abbildung eines humanen Skeletts zu rekonstruieren.

Samstag, 11. Januar 2014

Kirche in weiß

Da die Wochenenden in Gyumri ein wenig…naja…eintönig verlaufen, habe ich mir gestern zwei ortsansässige Freiwillige geschnappt und wir sind 20 Minuten aus der Stadt raus gefahren und haben Marmaschen besucht. Bei der Schreibweise, muss ich gestehen, bin ich ein bisschen unsicher, weil ich schon fünf verschiedene Varianten gefunden habe. Wie dem auch sei. 

Man hat mir erzählt, es wäre besonders schön im Frühling, aber seht selbst – im Winter ist es auch nicht zu verachten…










Im Frühling werde ich zurückkommen und den direkten Vergleich ziehen können. Aber auf dem zugefrorenem Fluss entlangzulaufen und die schneebedeckten Hügel links und rechts zu haben…das war schon beeindruckend – und gar nicht so kalt wie es aussieht.

Ab morgen geht es dann wieder auf Arbeit. Letzte Woche waren die Kinder alle noch zu Hause, so dass ich einen Tag für drei Stunden im Center war, aber nicht wirklich etwas gemacht habe. Na gut, habe mit den Mitarbeitern Kaffee getrunken und versucht Small Talk zu machen und ein bisschen das neue Jahr arbeitstechnisch geplant. Mal sehen…